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DIHK Dt. Industrie- und Handelskammertag
Berlin
25.06.2004 (ots)
Fachwissen ist nicht alles - Persönlichkeit ist gefragt

DIHK-Studie zu Erwartungen von Unternehmen an Hochschulabsolventen

Nicht nur Fachwissen müssen Hochschulabsolventen
beim Einstieg in den Beruf mitbringen. Die Softskills - persönliche
Kompetenzen - sind heute entscheidender denn je. Das ist das
Ergebnis einer repräsentativen Befragung des Deutschen Industrie-
und Handelskammertages (DIHK) bei 2154 Unternehmen. Neben
Fachwissen und Analyse- und Entscheidungsfähigkeit erwarten Firmen
von heutigen Hochschulabsolventen Leistungswille, die Fähigkeit
selbständig zu arbeiten, Einsatzbereitschaft,Verantwortungs-
bewusstsein und Teamfähigkeit.  

"Die Qualifikation ihrer akademischen Fach- und
Führungskräfte ist für die Unternehmen eine entscheidende Frage,
wenn es um die Sicherung ihres Personalpotenzials und ihrer
Innovationsfähigkeit geht", sagte Dr. Martin Wansleben,
Hauptgeschäftsführer des DIHK, bei der Vorstellung der Studie am
Mittwoch in Darmstadt.  "Außerdem fragen uns die Hochschulen immer
wieder, welche Anforderungen an die künftigen Bachelorabsolventen
gestellt werden. Die Unternehmen haben jetzt eine Antwort darauf
gegeben."

Analyse- und Entscheidungsfähigkeit sind unverzichtbar
Das größte Gewicht unter den fachlichen und methodischen
Kompetenzen legten 85 Prozent der Unternehmer auf die Analyse- und
Entscheidungsfähigkeit. Für 82 Prozent der Chefs ist fundiertes
Wissen aus der Fachdisziplin sehr wichtig, dicht gefolgt von der
Lernkompetenz. Auch wer berufsspezifische Praktika oder Ferienjobs
vorweisen kann, kommt bei Unternehmern gut an: 68 Prozent schauen
bei Bewerbern auf praktische Erfahrungen.

Einsatzbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein sind existenziell
Bei den sozialen Kompetenzen werden vor allem Einsatzbereitschaft
und Verantwortungsbewusstsein der jungen Akademiker geschätzt. Im
Ranking auf den Plätzen 3 bis 6 folgen: Team-, Kommunikations- und
Konfliktfähigkeit. Immer noch wichtig waren Kritikfähigkeit und
Führungskompetenz.

Persönlichkeit steht bei den Unternehmern ganz hoch im Kurs
Sie sehen  Erfolgsorientierung, Leistungswille und die Fähigkeit,
selbständig zu arbeiten als die bedeutendsten persönlichen
Eigenschaften an. Auch Belastbarkeit  und Unternehmergeist oder
Entscheidungsfreude werden von mehr als  80 Prozent als äußerst
wichtig eingestuft. "Erschreckend ist", so der DIHK-Chef, "wie groß
offenbar die Defizite  bei den persönlichen und sozialen Kompetenzen
sind. Hier zeigen die Ergebnisse akuten Handlungsbedarf auf." Die
Hauptgründe liegen nach Ansicht der Hälfte der Unternehmen in
fehlenden Werten und einer schlechten Erziehung. Rund ein Drittel
sieht Mängel in der Schulbildung als Grund für die Misere, und fast
genau so viele Unternehmen (28 Prozent) machen eine schlechte
Hochschullehre verantwortlich.

Praxisferne ist Hauptgrund für eine Trennung
Fast die Hälfte der Unternehmen (47,5 Prozent) hat sich wieder von
einem Berufseinsteiger getrennt. Nach Angabe von 29 Prozent der
Unternehmen waren die Mitarbeiter nicht in der Lage, die
theoretisch erworbenen Kenntnisse umzusetzen. Ein Viertel sieht den
Grund zudem in Selbstüberschätzung des Mitarbeiters, in mangelndem
Sozialverhalten und in mangelnder Integrationsfähigkeit.

Ja zum Bachelor
70 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, über die neuen
Studiengänge mit Bachelor- und Masterabschlüssen Bescheid zu
wissen. 56 Prozent der Unternehmen sind davon überzeugt,
dass in einem Bachelorstudium die im Unternehmen gebrauchten
Qualifikationen erworben werden können. Auch beim
Bachelorstudiengang sehen die Unternehmen den Schwerpunkt der
Profilbildung im Praxisbezug. Dementsprechend wünschen sie sich
eine stärkere Anwendungsorientierung der Studieninhalte, mehr
inhaltlich in das Studium integrierte Praktika sowie eine bessere
Kooperation mit der Wirtschaft bei der Erarbeitung der
Studienprofile. "Die zentrale Bedeutung des Praxisbezugs zieht sich
wie ein roter Faden durch die gesamte Studie", sagte
Wansleben. "Einer Verkürzung des Studiums durch die neuen
Bachelorprofile dürfen auf keinen Fall die Praxisanteile zum Opfer
fallen", forderte er.