| Studie: Eltern wichtigster Faktor für die Berufswahl Jugendlicher
"Berufswahl in Hamburg 2004" vergleicht Einfluss der Beratungsinstanzen - elterlicher Rat hoch geschätzt: "Beratungskompetenz der Eltern stärken" - individuelle Angebote sehr erfolgreich - Schule mehr informierend als orientierend
Jugendliche verlassen sich bei ihrer Berufswahl vor allem auf den Rat ihrer Eltern. Dies bestätigt eine repräsentative Befragung unter Hamburger Schülern, die heute in der Hansestadt vorgestellt wurde. Die Studie "Berufswahl in Hamburg 2004" hat untersucht, wie Jugendliche die wichtigsten Informationsquellen zur Berufsfindung beurteilen. Größte Orientierungshilfe sind danach die eigenen Eltern: Sie sind nicht nur die am häufigsten befragten Berufsberater, sondern tragen in den Augen der Jugendlichen auch am stärksten zur Entscheidungsfindung bei. Auf die Eltern folgen weitere individuell zugeschnittene Angebote: Die professionelle persönliche Berufsberatung, Praktika und Internetangebote haben ebenfalls einen hohen Orientierungswert. Entworfen und durchgeführt wurde die Untersuchung, die in den nächsten Jahren fortgeschrieben werden soll, vom Hamburger Arbeitskreis Einstieg, in dem Bildungsbehörde, Arbeitsverwaltung, Kammern, Verbände und Unternehmen zusammenarbeiten, und dem Marktforschungsinstitut Psychonomics.
Insgesamt bewerteten die befragten Schülerinnen und Schüler zehn Informationsquellen und soziale Faktoren nach ihrem Einfluss auf die eigene Berufsfindung: die Eltern, die Schule, Freunde, Praktika, das Berufsinformationszentrum (BIZ), Bücher und Zeitschriften, das Internet, Zeitung und Fernsehen, die persönliche Berufsberatung sowie sonstige Angebote. "Da diese Instanzen bei der Berufsorientierung alle ganz Unterschiedliches leisten, ging es uns dabei nicht um ein Ranking", so Peter Fobian, Referatsleiter Berufsorientierung in der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit. "Statt dessen wollten wir wissen, wie die gesamte Angebotslandschaft aus der Sicht der jugendlichen Zielgruppe aussieht, um die einzelnen Instanzen in Zukunft noch besser aufeinander abstimmen zu können."
Entsprechend legen die Studienergebnisse eine bessere Verknüpfung von stärker orientierenden und stärker informierenden Angeboten nahe. Deutlich wird das etwa an der herausragenden Rolle der Eltern, da Mütter und Väter als Berufsberater von der Sache her meist überfordert sind. Sie kennen zwar die Stärken und Schwächen ihrer Kinder, haben aber oftmals zu wenig detaillierte Kenntnisse vom aktuellen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt und können so nicht optimal informieren. "Darum müssen wir die Eltern vermehrt in die Berufsorientierung einbinden und sie bei der Beratung ihrer Kinder unterstützen", sagt Dr. Alfred Lumpe von der Behörde für Bildung und Sport in Hamburg. "So können wir sehr wirksam dazu beitragen, dass beispielsweise auch neue Ausbildungswege und Berufsbilder wahrgenommen werden."
Fühlten sich die befragten Jugendlichen von den Eltern, der individuellen Berufsberatung, dem Berufspraktikum und dem Internet am besten in ihrer eigentlichen Entscheidungsfindung unterstützt, so beurteilten sie andere Angebote als besonders informativ. Der berufskundliche Unterricht etwa vermittelt erfolgreich Informationen über neue berufliche Möglichkeiten jenseits der Traditionsberufe. Hier liegt auch die Stärke von Büchern und Zeitschriften zur Berufskunde sowie der Berufsinformationszentren (BIZ) der Agentur für Arbeit. Generell erfreuliches Fazit: Die meisten Jugendlichen beschäftigen sich engagiert mit der eigenen Berufsfindung, nur etwa ein Viertel ist ganz ohne eigene Vorstellungen. Doch zeigt die Studie hier auch gravierende schulformbezogene Unterschiede im Umgang mit dem Thema Berufsorientierung: Real- und vor allem Hauptschüler gehen ihre Berufswahl sehr viel planvoller an als Gymnasiasten, die sich oft nur unzureichend und verspätet mit dem Übergang in Ausbildung oder Studium auseinandersetzen.
Bezogen werden können die Ergebnisse der Studie "Berufswahl in Hamburg 2004" über die Einstieg GmbH, Hansaring 55, 50670 Köln, Tel. 0221/39809-30 oder info@einstieg.com
Studie "Berufswahl in Hamburg 2004" - Design und Datenerhebung
- Zusammensetzung der Stichprobe: 625 Schülerinnen und Schüler (Vorabgangsklassen) aus Hamburg, repräsentativ ausgewählt für die vier Schulformen Hauptschule, Realschule, Gesamtschule, Gymnasium und drei soziale Milieus
- Erhebung: begleitete Befragung von Klassen/Gruppen an 14 Hamburger Schulen (Fragebogen)
- Erhebungszeitraum: 21. bis 23. Januar 2004
- Entwurf der Befragung: Arbeitskreis Einstieg (Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Agentur für Arbeit Hamburg,
- Handels- und Handwerkskammer Hamburg, Hamburger Behörde für Bildung und Sport, LAG Schule Wirtschaft, Nordmetall e.V., UVNord e.V., Hamburger Sparkasse, Einstieg GmbH)
- Statistische Beratung: psychonomics AG, Köln
- Durchführung der Befragung: Einstieg GmbH, Köln
- Datenerfassung und -auswertung: psychonomics AG, Köln
- Bewertung, Interpretation und BEricht: Einstieg GmbH, Köln
Messetermine:
25. und 26. Juni 2004, Karlsruhe, EINSTIEG Abi
10. und 11. September 2004, Berlin, EINSTIEG Abi
17. und 18. September 2004, Düsseldorf, Berufe Live Rheinland
28. und 29. Januar 2005, Hamburg, EINSTIEG für Jugendliche aller Schulformen
11. und 12. März 2005, Köln, EINSTIEG Abi |