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Continental AG
Darmstadt/Hannover
30.04.2004 (ots)
"Continental-Studentenumfrage": Hochschulabsolventen erwarten

Arbeitszeit über 40 Stunden / Studie des Automobilzulieferers zeigt
Meinungsbild zu Arbeitswelt auf

Nahezu die Hälfte der deutschen Studenten erwartet nach einem
Berufseinstieg eine frei vereinbarte Arbeitszeit von mehr als 40
Stunden in der Woche. Das hat die repräsentative
"Continental-Studentenumfrage" ergeben, die heute (Mittwoch) an der
Technischen Universität (TU) in Darmstadt vorgestellt wurde. "Das
zeigt sowohl den Realitätssinn als auch die Einsatzbereitschaft des
akademischen Nachwuchses in Deutschland", sagte
Continental-Personalvorstand Thomas Sattelberger.

Der internationale Automobilzulieferer stellt in diesem Jahr
insgesamt mehr als 900 Hochschulabsolventen ein. Von den mehr als 600
jungen Ingenieuren und Naturwissenschaftlern sowie knapp 280 neuen
Mitarbeitern im kaufmännischen Bereich werden jeweils gut die Hälfte
in Deutschland eingesetzt. "Wir wollen wissen, welches Meinungsbild
unsere kommenden Nachwuchskräfte zu wichtigen Fragen künftiger
Arbeitswelten haben und gaben deshalb die Untersuchung in Auftrag",
sagte Sattelberger. TNS/EMNID hat daher Anfang diesen Jahres 1015
Studenten zu ihren Ansichten unter anderem zu Arbeitszeit, Karriere
und Qualifizierung befragt.

Lediglich 1,8 % erwarten danach zum Berufsstart eine tarifliche
Arbeitszeit von 35 Stunden pro Woche, nur 5 % gehen von 37,5 Stunden
pro Woche aus. Und nur etwa ein Viertel der Befragten würde sich
tariflich geregelte Arbeitszeiten von 35 bzw. 37,5 Wochenstunden
wünschen. "Diese Zahlen sind betrüblich für dogmatische
Arbeitszeit-Regulierer", meinte Sattelberger. Trend- und
Zukunftsforscher Matthias Horx vom Zukunftsinstitut sagte dazu: "In
der entwickelten Wissensökonomie wird irgendwann jeder einen auf
seine Fähigkeiten und Wünsche designten Arbeitsvertrag erhalten
können, der sich auch im Lauf der Zeit an neue Bedingungen anpassen
lässt."

Sattelberger verwies außerdem darauf, dass regelmäßige
Wochenendarbeit für 20,1 % kein Problem ist und 66,1 % sich diese
"gelegentlich" vorstellen können. Nur 9,9 % sagen, dies wäre ein
Grund, den Arbeitsplatz nicht anzunehmen. Auch das Thema Freizeit
wird vor allem pragmatisch gesehen, Planbarkeit geht vor Regulierung:
Zwar hat für 39 % geregelte Freizeit eine hohe oder sehr hohe
Priorität (gegenüber 24,7 % mit geringer oder keiner Priorität). 81,4
% nennen aber "planbare Freizeit" mit hoher bzw. sehr hoher
Priorität. "Das belegt, dass für kreative Nachwuchskräfte mit
termingebundenen Projektaufgaben flexible und individuelle
Arbeitszeitsysteme inklusive Arbeitszeitkonten die richtige Lösung
sind", sagte Sattelberger.

Er bezeichnete es als "beachtliches Ergebnis", dass 50 % der
Befragten einen sehr schnell mit hoher Verantwortung und
Entscheidungskompetenz ausgestatteten Arbeitsplatz einem besser
bezahlten, aber weniger attraktiven Job bevorzugen würden: "Geld ist
für die Hälfte des akademischen Nachwuchses nicht der erste
Gradmesser für die Attraktivität einer Aufgabe oder Firma." Die
Dreiteilung des Einkommens in Grundgehalt sowie variable Anteile, die
einerseits vom persönlichen und andererseits vom Unternehmenserfolg
abhängen, kommt für 60,8 % voll und ganz oder eher in Frage. "Auch
hier hat eine deutliche Mehrheit eine nach Leistung differenzierte
Beurteilung der Arbeitswelt", sagte Sattelberger. Eine realistische
Einschätzung zeige sich auch daran, dass 68 % die Berufswelt der
Zukunft als "eine Abfolge zeitlich befristeter, dafür gut bezahlter
und interessanter Jobs bei unterschiedlichen Arbeitgebern mit
Zweckbündnis-Charakter" sehen. Weniger als ein Drittel geht von einer
"unbefristeten, möglichst lebenslangen Anstellung und einem hohen Maß
an Loyalität" aus. Dieses von Selbstverantwortung getragene Urteil
korrespondiert mit der Aussage "Jeder ist heutzutage Unternehmer
seiner Talente", der 73,1 % voll und ganz oder eher zustimmen.

"Junge Menschen in universitären Ausbildungen wissen heute, dass
sie in ihrem Leben mehrere Berufe, mehrere Arbeitgeber, untypische
Berufskarrieren erleben werden", sagte Horx. "Dieser Wandel macht
Angst, aber er beinhaltet auch eine Menge guter Botschaften und
Chancen. Aus Monotonie wird Engagement. Aus Fixiertheit an einen Ort
wird globale Mobilität. Individualität, Kreativität und
Selbstverantwortung, im Rahmen traditioneller Arbeitskulturen eher
Abweichungen, rücken nun ins Zentrum der Wertschöpfung."

"Bestätigt sehen wir uns als Arbeitgeber auch in unserer
Einschätzung, dass wir innovative Systeme und Prozesse lebenslanger
Weiterbildung benötigen", erklärte Sattelberger. Er verwies darauf,
dass jeweils 25 % ihr erworbenes Wissen schon heute für veraltet oder
für maximal drei Jahre up-to-date halten. 52,3 % gehen davon aus,
künftig 11 bis 20 % ihrer Arbeitszeit für Weiterbildung aufwenden zu
müssen. 31,9 % gehen sogar von mehr als 20 % ihrer Arbeitszeit aus.
46,2 % meinen, der Arbeitgeber sollte für Ausbildung die Mittel
(Kosten), der Arbeitnehmer die Zeit zur Verfügung stellen. In diesem
"Co-Invest" für lebenslanges Lernen und Berufsfähigkeit sieht
Sattelberger die richtige Weichenstellung.

58,3 % der Befragten können sich einen völlig abseits des
Studien-Spektrums gelegenen Arbeitsplatz vorstellen. Allerdings
würden bei Jobverlust nur 5,5 % ohne jeden Einwand eine schlechter
bezahlte Stelle annehmen, 30,5 % können sich das "eher vorstellen",
44,5 % antworteten mit "teils, teils". "So realitätsnah die Antworten
insgesamt in der Studie auch ausfallen, so herrscht in dieser Frage
eine zwar persönlich sehr verständliche, angesichts des globalen
Wettbewerbs aber überholte Ansicht vor", meinte Sattelberger. Der
Continental-Konzern hat als führender Anbieter für Bremssysteme,
Fahrwerkkomponenten, Fahrzeugelektronik, Reifen und Technische
Elastomere 2003 einen Umsatz von 11,5 Mrd Euro erwirtschaftet und
beschäftigt weltweit knapp 69.000 Mitarbeiter.