| Arbeitsmarktanalysen für Akademikerberufe:
Maschinenbauingenieure am häufigsten gesucht
Die Berufsgruppe der Maschinenbauingenieure steht auf der Hannovermesse vom
19. bis 24. April 2004 im Blickpunkt und stand im Jahr 2003 - den Analysen des
Arbeitsmarkt-Informationsservice der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV)
zufolge - im Zentrum des Interesses von Arbeitgebern: Für keine andere
Berufsgruppe von Akademikern meldeten die Arbeitgeber den Agenturen der
Bundesagentur für Arbeit im vergangenen Jahr so viele Stellenangebote wie für
Maschinenbauingenieure. Mit insgesamt 13.391 gemeldeten Stellenangeboten ist
diese Berufsgruppe unter den akademischen Berufen Spitzenreiter in der
Nachfrage.
Zwar blieb im vergangenen Jahr der Arbeitsmarkt für Maschinenbauingenieure von
den Auswirkungen der schwachen Konjunktur nicht verschont, der Rückgang der
Stellenangebote (- 5,2 Prozent) durch Umstrukturierungen von Firmen, Insolvenzen
und Auftragseinbrüche war für diese Berufsgruppe jedoch verhältnismäßig gering.
Für andere akademische Beruf ging die Zahl der Stellenangebote im Durchschnitt
um 13,5 Prozent zurück.
Vor allem mittelständische Unternehmen meldeten der Bundesagentur für Arbeit
offene Stellen für Maschinenbauingenieure. Die Mehrzahl der Angebote kam aus
dem Dienstleistungssektor - insbesondere von Konstruktions- und Ingenieurbüros
(25,6 Prozent) und von Zeitarbeitsfirmen (20,4 Prozent). Mit einem Anteil von 10,7
Prozent waren Unternehmen des Maschinenbaus unter den Stellenanbietern.
Weitere 4,5 Prozent der Stellen kamen von Unternehmen, die Metallerzeugnisse
herstellen. Unternehmensberatungen boten 3,8 Prozent der Stellen für
Maschinenbauingenieure an.
Eine Vielzahl weiterer Wirtschaftszweige meldeten Stellen in kleinerer Zahl. Dies
weist auf das Spektrum vielfältiger Einsatzmöglichkeiten von
Maschinenbauingenieuren hin. Dazu zählen die Kunststoffindustrie, das
Baugewerbe, die Energiewirtschaft, die Nachrichtentechnik, das Holzgewerbe, die
chemische Industrie und der Hochschulbereich.
Für Maschinenbauingenieure hat sich 2003 im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der
arbeitslosen Bewerber um fast 11 Prozent auf 16.859 Personen erhöht. Der Anteil
der Maschinenbauingenieure mit Fachhochschuldiplom stieg leicht an auf fast 54
Prozent. Seit etwa zwei Jahren beobachten die Arbeitsmarktexperten der ZAV, dass
Fachkräfte dieser Berufsgruppe mit Fachhochschuldiplom einen zunehmenden
Anteil an arbeitslosen Ingenieuren dieser Fachrichtung haben. Gleichzeitig steigt
seit 1996 der Anteil der Maschinenbauingenieure mit Universitätsabschluss.
Unter den Bewerbern gehörten 64 Prozent zur Gruppe der über 45-Jährigen mit
langjähriger Berufspraxis, 25 Prozent waren zwischen 35 und 45 Jahre alt. Nur 11
Prozent der Bewerber waren jünger als 35 Jahre.
Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der mittleren Altersgruppe angestiegen – ein
Hinweis auf die angespannte Marktsituation. Darauf deutete ebenfalls die
verstärkte Inanspruchnahme des Beratungsangebotes der Arbeitsagenturen von
Ingenieuren in ungekündigter Stellung hin.
Maschinenbauingenieure, die 2003 ein neues Beschäftigungsverhältnis suchten,
brachten zumeist spezifische Berufskenntnisse mit. Viele von ihnen konnten
Berufserfahrung vorweisen. Entsprechend ihrer Studienschwerpunkte und
Arbeitserfahrungen waren viele Bewerber in speziellen Ausrichtungen des
Maschinenbaus qualifiziert: Fachleute der Fahrzeug-, Fertigungs-, Versorgungs-
oder Messtechnik, des Anlagenbaus, der Finite-Elemente-Methode, der Datenbank-
und Softwareentwicklung. Auch in Nachbarbereichen wie Elektronik oder Optik
verfügten einzelne Bewerber über Fachwissen. Viele konnten Erfahrung als
technischer Redakteur, Projektmanager, Fachauditor oder als Experte in der
Qualitätssicherung vorweisen.
Eine Reihe von Maschinenbauingenieuren die 2003 von Arbeitslosigkeit bedroht
waren oder bereits ihre Stelle verloren hatten, machte sich mit Hilfe des
Überbrückungsgeldes selbständig. Vereinzelt entschieden sich auch Absolventen
für diesen Weg ein.
Andere Maschinenbauingenieure orientierten sich neu und wählten das Lehramt
an beruflichen Schulen als neues Einsatzfeld. Der 2003 teilweise noch vorhandene
Lehrermangel ermöglichte diesen beruflichen Wechsel.
Arbeitgeber bevorzugten im Jahr 2003 insbesondere Bewerber mit aktuellen
Fachkenntnissen, einigen Jahren Berufserfahrung und hoher Mobilität.
Entsprechend der Branchenvielfalt für den Einsatz von Maschinenbauingenieuren
fragten sie teilweise sehr spezifische Kenntnisse nach.
Auch die Fähigkeit zum Direkteinstieg in eine Tätigkeit ohne formalisierte
Einarbeitung gewann im vergangenen Jahr weiter an Bedeutung.
Am häufigsten suchten Arbeitgeber Maschinenbauingenieure mit
Konstruktionskenntnissen. Besonders nachgefragt waren auch Fachleute dieser
Berufsgruppe mit Kenntnissen in den Bereichen Fahrzeugbau, Mess-, Vakuum-
und Lasertechnik, Arbeitsvorbereitung, Fertigungs- und Investitionsplanung sowie
Experten im Projektmanagement und in der Qualitätssicherung. Mit der
zunehmenden Automatisierung gewannen auch Elektronikkenntnisse an
Bedeutung.
Aufgrund des Anstiegs offener Stellen im Vertrieb und einer zunehmenden
Ausrichtung der Unternehmen auf ausländische Märkte erwarteten Arbeitgeber von
den Bewerbern verhandlungssichere Kenntnisse der englischen und - mit Blick auf
Osteuropa - teilweise auch der russischen Sprache.
Immer größeren Wert legten Arbeitgeber auf die soziale Kompetenz der Bewerber.
Häufig forderten sie Kommunikationsfähigkeit im Team und im Umgang mit
Kunden. Auch Führungsqualifikationen nahmen – gerade für Leitungsfunktionen
von Teams oder Abteilungen – einen hohen Stellenwert ein. Eine selbständige
Arbeitsweise und die Bereitschaft zu Mobilität auch im Ausland waren wichtige
Kriterien bei der Personalsuche. Darüber hinaus bevorzugten die Arbeitgeber
jüngere Bewerber, die ihr Studium zielstrebig absolviert hatten. Zuweilen erwies
sich für eine Einstellung auch eine dem Studium vorangegangene praktische
Berufsausbildung als vorteilhaft.
Bewerber mit Berufserfahrung oder Absolventen, die Praktika vorweisen konnten,
hatten 2003 größere Chancen, eine berufliche Position zu finden. Grundsätzlich erleichtern sich Studierende ihren Berufseinstieg, wenn sie ihr erlernten Wissen0
frühzeitig in Praktika anwenden.
Um wieder im Berufsleben Fuß zu fassen, war die Teilnahme an betrieblichen
Trainingsmaßnahmen für ältere arbeitslose Maschinenbauingenieure von Vorteil.
Hier konnten sie auf die Unterstützung der Arbeitsverwaltung zählen. Sofern es die
Auftragslage zuließ und die Bewerber in ihrer Tätigkeit einen guten Eindruck im
Unternehmen hinterließen, erhielten sie vereinzelt einen Arbeitsvertrag.
Schließlich konnten die Hochschulteams ein vermehrtes Interesse der Bewerber an
gezielter Bewerbungsberatung und Beratung zur Strategieplanung verzeichnen.
Wie schon im Vorjahr setzte sich 2003 der Trend einer längeren Dauer der
Bewerbungsverfahren fort. Die Arbeitgeber zielten darauf ab, den passgenauen
Bewerber zu finden. Von ihren spezifischen Anforderungen machten sie wenig
Abstriche. Unternehmen deckten ihre Produktionsspitzen oftmals auch durch den
Einsatz von Zeitarbeitskräften ab. Der Trend zum Personalleasing macht die vorerst
noch bestehende Zurückhaltung der Unternehmen im Bereich der
Personalinvestitionen deutlich. |